17.08. -
28.08. 1999
17.08. 1999
- Eyjafjord
spät am Abend - Heute früh 02.00 Uhr aufgestanden. Mit Sixtcorsa
zu Anett, 03.00 Uhr Abfahrt. 06.15 Uhr Ankunft Hamburg Flughafen.
08.40 Uhr Abflug und weische Brödsche. Zwischenstop Kopenhagen.
Dann "lecker" Hammelfleisch mit viereckigem Kartoffelpaps
und Schnurpsbrokkoli. 11.40 Uhr Ankunft Keflavik. Sonnenschein!!!
Eine Premiere. Zum ersten Mal scheint bei meiner Ankunft
in Island die Sonne! Shuttle Bus nach Reykjavik zum Domestic
Airport. Tickets gekauft. Abflug 13.20 Uhr nach Akureyri.
Dort empfing uns Armann in feinstem Sonntags-Jeans-Anzug.
Sydri-Hagi erwartete uns mit Kaffi, Te und Tekex (Kaffee,
Tee und Keksen), Ulla-May schloss uns in die Arme und wieder
bezogen wir unser Götusel, das kleinere der zwei Holzhäuser
am Hang des Katla, als wären wir nur für ein Wochenende
weggewesen.
Die erste Amtshandlung
bestand aus einem Blaubeersuchspaziergang. Statt Blaubeeren
fanden wir jedoch leider nur "Grünbeeren", aber dafür in
so vielversprechenden Mengen, dass wie die paar Tage, die
bis zur Reife noch fehlten, gern in Kauf nahmen. 20.00 Uhr
erschienen wir zum Dinner, das vollkommen entgegen der isländischen
Tradition pünktlich serviert wurde. Es gab gebratene Dorschfilets
(natürlich frisch aus dem Fjord). Danach den obligatorischen
Sonnenuntergang, jetzt Terrasse, gleich Bett. Goda Nott!
20.08. 1999
- Am Mittwoch düsten wir nach dem Frühstück (Pancakes) nach
Akureyri - natürlich per Daumen hoch, was dank des etwas
erhöhten Verkehrsaufkommens am Fjord auch ziemlich schnell
klappte. In Akureyri plünderten wir die Supermärkte von
Netto bis Hagkaup und nahmen dann Lebensmittel im Wert von
rund DM200.- mit heim, von denen jetzt schon wieder die
Hälfte alle ist. Irgendwie macht isländische Luft ganz schönen
Hunger... Erstaunlicher Weise schafften wir es sogar, schon
in diesem frühen Stadium unseres Urlaubs Postkarten zu kaufen
und diese teilweise noch am selben Tag zu schreiben! Nach
dem Mittagessen in unserer Hütte zog es uns unwiderstehlich
hinunter zum Fjord, wo Svala und Prins fett und aufmüpfig
darauf warteten, mit uns über die federnden, isländischen
Grasflächen zu tölten. Wir genossen die Geschwindigkeit,
den schneidenden Nordwind und den Ausblick über den Eyjafjord,
der aller paar Minuten seine Farbe änderte und beendeten
unseren lange herbeigesehnten Ritt auf unsern zwei Prachtstücken
nach einer runden Stunde. Da wir uns noch nicht so richtig
vom Fjord trennen konnten, wanderten wir danach noch hinunter
ans Wasser, kletterten über die Felsen und sammelten Muscheln,
Steine und Seeigel, die wir nachher säuberlich auf dem Fensterbrett
unseres Götusel aufreihten. Unser Dinner bestand aus Pellkartoffeln
mit Butter und Salz, einfach aber lecker.
Am Donnerstag
hatten wir uns vorgenommen, Katla zu erklimmen. Der Berg
stand schließlich unberührt und bisher von uns unbezwungen
so zum Greifen nah hinter unserer Hütte, dass wir diesmal
keine Ausrede mehr hatten, den Aufstieg nicht zu versuchen.
Außerdem war das hier unser dritter (mein vierter) Aufenthalt
in Islands schönstem Fjord, da wurde es auch langsam Zeit.
Meinte auch Armann. Dummerweise begegneten uns schon auf
halber Strecke so viele wunderbar reife, süße, große, saftige
Blaubeeren, dass wir nicht so richtig voran kamen. Nachdem
wir uns auf dem letzten Drittel auch noch ein Mittagsschläfchen
gegönnt hatten (inmitten von weichem Gras, duftenden Blumen
und Schafsboppeln...), verließen uns Kraft und Wille, sodass
wir beschlossen, umzukehren. Auch auf dem Rückweg fanden
wir Blaubeeren im Überfluss, die wir, aufgrund unserer bereits
überfüllten Mägen, zwecks Transport in unsere Wasserflaschen
stopften. Nach insgesamt rund 6 ½ Stunden Marsch trafen
wir wieder "atome" (das ist ein Insider-Spruch... aktü!)
ein, wo wir uns mit Chili-con-Carne und Blaubeernachtisch
wieder aufbauten. Am Abend statteten wir Armann noch einen
kleinen Besuch ab, um für morgen Pläne zu schmieden. Wir
wollten Fischen gehen und hatten noch keine Zeit vereinbart.
07.00 Uhr schlug Armann vor. Ich konnte ihn Gott sei dank
auf 08.00 Uhr umstimmen.
Heute früh standen
wir also 07.00 Uhr auf - nach nicht allzu viel Schlaf, da
der Sonnenuntergang gestern Abend irgendwie ziemlich lange
gedauert hatte. Wir frühstückten in Windeseile und standen
pünktlich bei Armann auf der Matte. Dort (genauer gesagt
im Garten) verluden wir Armanns Kahn auf einen Hänger, knüpperten
das Vehikel an seinen Trecker und ackerten hinunter zum
Strand. Gegen halb neun war das Boot "gewässert" und wir
tuckerten hinaus in den Fjord. Wie schon vor drei Jahren
bei meinem ersten Angelversuch machte Armann die Leinen
klar: jeder von uns bekam eine Art hölzerne Spule in die
Hand, die mit allerlei Sehne bewickelt war, an deren Ende
sich ein Gewicht und drei Haken befanden. Köder waren nicht
nötig, dazu sind Dorsche einfach zu blöd, habe ich den Eindruck.
Ich freute mich also wieder wie ein Schneekönig auf ungebremstes
Angelvergnügen und Fischmengen so groß, dass das Boot kentert,
aber nichts da, es regte sich gar nix unter Wasser. Nach
dem wir nach einer halben Stunde noch nicht einmal Wasserflöhe
am Haken hatten, beschloss unser Kapitän, den Standort zu
wechseln. Er schipperte uns mal hierhin, mal dorthin, sodass
ich schon befürchtete, uns würde der Sprit ausgehen, bevor
wir auch nur einen einzigen Fisch gefangen hätten. Aber
plötzlich gab es einen gewaltigen Ruck an unseren Leinen,
Anett und ich kurbelten wie die Weltmeister unsere Leinen
an Board und dann kam Armann kaum noch mit dem Schlachten
hinterher, so wild bissen die Dorsche in unsere geschmacklosen
Haken. Anett fing den allergrößten, ein stattliches Tier,
den wir uns gleich fürs Abendbrot (und den Grill) vormerkten.
Am Ende hatten wir runde 60 kg Fisch gefangen. Kein schlechter
Fang für weniger als drei Stunden! An Land ging dann das
große Blutbad los. Jonas und Armann schlitzten wie am Fließband
einen Dorsch nach dem anderen auf, nahmen sie aus, köpften
sie und sortierten sie nach Menschen- und Katzenfuttergröße,
ohne darauf zu achten, wen sie gerade mit Fischblut oder
Fischdung, den die Tiere beim Töten aus Rache überall hinverteilt
hatten, bespritzten. Obwohl der Anblick nicht gerade appetitanregend
war, hatten wir danach alle einen Mordshunger. War ja auch
logisch, nach der Anstrengung (gut das wir nicht auch noch
rudern mussten - das hat uns
Armanns unermüdlicher Tuckermotor abgenommen). Wir ließen
uns ein mittleres Paket "au mi Gabi, au mi schaaf, sum mitnehme"
eintüten und wanderten heim. Da unser Hunger mittlerweile
sehr deutlich daran erinnerte, dass wir seit heute früh
zwar Nahrung beschafft, aber noch nicht vertilgt hatten,
ließen wir den Fisch Fisch sein und vertilgten in aller
Eile Reste von gestern und einen Kaiserschmarrn, weil das
so schön schnell zuzubereiten war. Jetzt schlummert Anett
draußen auf der Wiese in der Sonne einen ausgiebigen Mittagsschlaf
und ich wasche unseren Riesengeschirrberg ab.
Nach dem Schläfchen
gab's Tee und wir verbrachten noch ein paar Stündchen unten
am Wasser. Gegen 21.15 Uhr fingen wir die Pferde ein.
Svala,
Prins, Glod und Draumur sollten morgen eine Art "Generalprobe"
für den Schafabtrieb mitmachen, weshalb wir sie heute Abend
schon ins Thorvaldsdal reiten sollten. Armann fuhr mit seinem
alten Lada vorneweg, Jonas, Hilke und wir zwei ritten hinterher
und trafen uns alle Mann am Round-up-Pen wieder. Unsere
Vierbeiner waren etwas enttäuscht, statt auf eine saftige
Wiese hier in diesen mickrigen Corral eingesperrt zu werden,
fügten sich dann aber ergeben. Armann fuhr uns nach Hause
und natürlich - wie sollte es auch anders sein - sahen wir
uns noch den Sonneuntergang an. Dementsprechend spät gelang
dann auch unsere "Bett-Session".
22.08. 1999
- Am Morgen kurz nach zehn wurden wir, die wir schon
Gewehr bei Fuß und Satteltasche bei Hacken bereit standen,
vom Armännle abgeholt und zu unseren ungeduldig trampelnden
Töltern gefahren. Berglind (Armanns Enkelin) und ihr knackiger
Freund warteten dort schon samt ihren zwei wonneproppigen
Ponies. Sättel rauf und los ging's im Schweinetöltpassgalopptrab
oder was so gerade passte. Sliding-Stop und kurze Pause
an einer Wegbiegung. Nach ca. 1 ¾ Stunde waren wir schon
am See - das war ganz beachtlich, denn sonst brauchen wir
rund drei Stunden bis dahin (allerdings von Sydri-Hagi,
nicht vom Round-up-Pen am Eingang des Tals). Wir machten
eine Picknick-Pause und folgten dem Ufer des Sees weiter
hinein ins Thorvalds-Tal. Zweimal überquerten wir den Fluss
und sogar Schnee lag hier oben noch! Nach einem weiteren
längeren Stop in der Nähe der Stelle, wo sonst beim richtigen
Schafabtrieb die Pferde an ein paar Leute übergeben werden
und man zu Fuß weitersteigt, drehten wir wieder um und rannten
nach Hause. Svala töltete über Stock und Stein, schien sich
nur zu wundern, warum wir unterwegs nicht ein einziges Schaf
mitgenommen hatten. Wir ritten über das Plateau und kamen
glücklich und erschöpft wieder zu Hause an. Prins hatte
einen Schuh verloren, aber sonst war die Aktion zu aller
Zufriedenheit verlaufen. Berglind hatte ihre zwei Schüler
testen können, die bei der Gelegenheit sicher gleich etwas
Übergewicht verloren hatten und Anett und ich hatten wieder
einmal die Gelegenheit bekommen, in das wunderschöne Thorvalds-Tal
zu reiten. Nach dem Absatteln gab's in Ulla-Mays Küche Te
und Tekex sowie diverse Köstlichkeiten, die unsere Lebensgeister
wiedererweckten, sodass wir ein weiteres Mal hinunter zum
Wasser liefen und Seeigel sammelten. Da meine Füße etwas
kochten, planschte ich bis zu den Knöcheln im ca. 6° warmen
Wasser, wodurch ich mich gleich wieder fühlte, wie neu geboren.
Für den Abend
hatten wir uns vorgenommen, den Fisch zu grillen. Ich stapelte
also voller Elan Holz auf den Grill, schüttete Briketts
darüber - und dann wurde es so windig, dass ich kein Streichholz
zum Brennen brachte. Mit Hilfe meines Sturmfeuerzeugs und
ca. 50 Liter von Anetts Atemluft bekamen wir das Ganze dann
doch noch zum Glühen und schmissen das erste gesalzene und
gepfefferte Vieh auf den Rost. Der Fisch zerfiel sofort
in tausend Stückchen, sodass ich ihn noch nicht einmal umgedreht
bekam, ohne dass die Hälfte davon aufs Feuer fiel. Anetts
großer Fisch sollte uns dafür entschädigen, doch war dieser
leider viel zu groß für den kleinen Grill und hing mit Kopf
und Schwanzflosse in der Luft. Wir opferten ein Backblech
und betteten den Dorsch um, in der Hoffnung, ihn so im Ganzen
braten zu können. Statt dessen tropfte uns rechts und links
das Öl vom Blech auf die Terrasse und ins Feuer, Anett ging
fast an einer Rauchvergiftung zu Grunde und mir löste sich
bereits vor Hunger die Magenwand auf. Am Ende vertilgten
wir schon ganz geschwächt und verzweifelt einen Teller Skyr
mit Blaubeeren, da wir bis 23.00 Uhr vergeblich versucht
hatten, von dem Fischfleisch satt zu werden, das wir außen
vom Fischgerippe abgekratzt hatten, um den darunter liegenden
Schichten die Möglichkeit zu geben, ebenfalls essbar zu
werden. Vielleicht hätten wir den Dorsch lieber zu Sushi
verarbeiten sollen... Ein durchweg gelungener Grillabend
also.
Heute früh zauberte
ich ein paar Blueberry-Chocolate-Muffins. Der Duft schwebte
durch die ganze Hütte (Gott sei Dank ohne den Feueralarm
auszulösen, der sonst immer sofort losgeht, wenn man nur
den Toaster anmacht...) und wir "brunchten" bis 11. Danach
waren wir so voll, dass wir bis zwei auf der "Terese" ausharrten
und uns sonnten. Nur die Aussicht auf einen netten Ausritt
brachte uns dazu, am Nachmittag unsere Stellung aufzugeben
und hinunter zum Haus zu laufen. Auf dem Weg nach unten
erspähten wir weiter oben am Plateau ein paar Schafe, die
dort nicht hingehörten. Armann bekam wieder sein berühmtes
"diese-Mistviecher-fressen-meine-Bäumchen"-Gesicht und brach
mit uns zu Pferd auf, um den Schafen eine Lektion zu erteilen.
Polli, der Hütehund, war auch dabei und rannte wie besessen
um uns herum, nach dem Motto "darf ich scheuchen, darf ich
scheuchen, darf ich scheeeuuuuuchennnn????!". Armann ließ
ihm seinen Willen, ich hatte nur die ehrenvolle Aufgabe,
vor den Schafen das Tor zum Plateau zu öffnen, während Anett
mit dem etwas langsamen Chaplin die Gelegenheit nutzte,
sich unbeobachtet in die Blaubeeren zu schlagen. Nachdem
alle Schafe wieder da waren, wo sie hingehörten, beendeten
wir auch unseren Ritt. Wir gönnten Gledi und Svala eine
Mähnenentfitzungskur und beschlugen Chaplin und Prins, machten
uns dann aber wieder gen Heimat.
Ich
stattete am Abend Armann noch einen Kurzbesuch ab, um ihn
zu fragen, ob er mir mal sein Auto borgen könnte ("no problem"
sagte er). Als ich wieder am Götusel ankam, stiegen mir
schon fantastische Gerüche in die Nase - Anett hatte einen
Nudelauflauf gezaubert, den wir dann samt Topf und Deckel
verspeisten. Da wir uns schon wieder so vollgefressen hatten
und es auch nicht den Eindruck machte, dass unsere Nahrungsmengen
in nächster Zeit reduziert würden, unternahmen Anett und
ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang entlang des
Baches bis hoch zum kleinen Wasserfall.
23.08. 1999
- Nachdem ich vor Armanns Haus etwa 10 Minuten gebraucht
hatte, um den Lada an und vorwärts zu bekommen und dann
im Kavalierstart die Auffahrt hinaufgeschrubbt war, brachen
Anett und ich zu unserer kleinen Sightseeing-Tour auf. Eigentlich
wollte ich Anett die schöne lange Küste östlich von Tjörnes
zeigen und dort vielleicht ein bisschen am Strand entlang
wandern. Leider machte uns die kaputte (nicht abstellbare)
Heizung des Ladas und der starke Seitenwind so zu schaffen,
dass wir, an der Halbinsel angekommen, gerade 15 Minuten
lang den Ausblick genossen und dann, mit der Aussicht auf
ein bequemes Sofa und eine Handvoll Blaubeeren, wieder nach
Hause rumpelten. Das bequeme Sofa durfte Anett zu ihrem
Leidwesen nicht voll auskosten, denn ich wollte noch Blaubeeren
pflücken. Ich erteilte Order, nur schöne große Beeren zu
pflücken und beschränkte mich selbst auf die "Schwarzbeerenauslese",
Blaubeeren, die nicht blau, sondern schwarz, überdurchschnittlich
groß, sehr
süß
und ungeheuer lecker sind. Abends 19.00 Uhr war Treffpunkt
bei Ulla-May, wir waren zum Apfelfischauflaufessen eingeladen.
Jonas bekam eine Extrawurst, denn er isst ja keinen Fisch.
Zum Nachtisch gab's Eis. Da sich der Fotoapparat unpraktischer
Weise in unserem Hüttchen befand und der Sonnenuntergang
schön zu werden versprach, hatten wir einen Grund, nicht
allzu lange zu bleiben, sondern machten uns wider bergan.
Wir knipsten Wolken und die hinter den Bergen verschwindende
Sonne und hockten dann noch ein Weilchen auf der Terrasse.
Es war angenehm warm und ich wagte es, laut auszusprechen,
dass das Wetter es dieses Mal wirklich gut mit uns meinte.
Wir hatten noch nicht einen verregneten Tag gehabt und das
ist für isländische Verhältnisse schon fast so etwas, wie
ein Wunder.
24.08. 1999
- Nach dem Frühstück hockten wir erst einmal bis 10 in der
Sonne. Der Wettergott musste wohl meine Lobpreisung vom
Abend zuvor gehört haben und tat uns nun den Gefallen, die
Luft so zu erwärmen, dass wir mittags sogar im T-Shirt ausreiten
konnten. Anett nahm Gledi, die sie noch nicht ausprobiert
hatte und ich ritt wieder Svala, mein unkaputtbares Energiebündel.
Nach dem Ritt unternahmen wir noch einem weiteren Spaziergang
entlang des steinigen Strandes (im Ärmellosen, mit hochgekrempelten
Hosenbeinen! Für Isländer ist das Wetter schon fast wieder
zu warm...). Polli jagte um uns herum, die Nervevögel quietschten
und wir aalten uns in der Sonne, wie man sich auf Mallorca
auch nicht schöner aalen kann. Irgendwann meldete sich aber
wieder mein Magen und wir rührten uns oben Skyr mit Blaubeeren
zusammen. Als Anett sich dann ihrem Buch widmete, hatte
ich plötzlich Hummeln im Arsch, konnte nicht mehr stillsitzen,
obwohl Macbeth sonst meine gesamte Konzentration zu beanspruchen
pflegte. Also begann ich mit Abwaschen und ging dann stufenlos
in die Zubereitung des Abendbrots über, das da bestand aus
Dorschfilets an Käse-Sahne-Provence-Kräuter-Sauce über ungepellten
Pellkartoffeln. Seltsamer Weise mundete dieser Kochversuch
meinerseits sogar. Obwohl ich ja gar nicht kochen kann.
25.08. 1999
- Heute gab's mal wieder Cornflakes (Kornflögur) mit Sauermilch
(lecker Súrmjölk) und Blaubeeren, diesmal ohne Feueralarm,
dafür mit Musik von FM95.7 (etwa wie: effenijöfimmschiö...),
was auch nicht viel besser klang, als der Feueralarm. Gegen
10.00 Uhr wollten wir dann unten Draumur und Gledi fangen,
statt dessen scheuchten wir zunächst Glod aus Armanns Beet,
die gerade dabei war, neue Kartoffeln fürs zweite Frühstück
zu ernten. "Verrrry funny" sagte Armann, als wir ihm mit
hängender Zunge von unserer Kartoffelrettungsaktion berichteten.
Wir brachten noch einen rund 60-minütigen Wiesenritt zustande,
bevor es uns unwiderstehlich wieder hinauf auf unsere Terrasse
zog, wo wir jetzt immer noch sitzen...
Abends - Wir
haben es geschafft! Katla ist bezwungen! 16.00 - 20.35 Uhr
vom Boden des Thorvalds-Tales hinauf auf 964 m und zurück.
War das ein Akt! Da es so etwas wie offizielle, touristenfreundliche
Wanderwege hier natürlich nicht gibt, nahm Armann, unser
rüstiger Bergführer, den kürzesten (und natürlich steilsten
Weg) gerade den Hang hinauf. Lunge, Schweinehund und Muskelfasern
keuchten, knurrten und quietschten bereits nach hundert
Höhenmetern, jedoch Armann war unerbittlich und wir konnten
uns eine zweite Kapitulation vor diesem Berg nicht erlauben.
Also kletterten wir stur den steilen Abhang hinauf über
Geröll, dürres Kräutergras und felsige Flächen, bis wir
endlich den flachen Gipfel erreichten. Der Katla hat, wie
die meisten Berge in der Umgebung eine Art Plateau statt
einer Spitze, riesengroß und kahlgefegt - nur ein paar kleine
Blümchen überleben hier oben. Auch hier lag wieder Schnee.
Am höchsten Punkt lag ein Steinhaufen, wo wir, um die Berggottheit
nicht zu erzürnen, pflichtgemäß ein paar Steinchen hinzulegten.
Der Ausblick ins Thorvalds-Tal und über den Eyjafjord war
natürlich einfach traumhaft. Am liebsten wäre ich von hier
oben einfach heruntergeflogen. Armann blies zum Rückzug
und wir rutschten auf den Schuhsohlen wie auf Skiern ein
langes Schneefeld hinab. Am Ende des Schneefeldes entsprang
ein kleiner Bach mit dem wohl saubersten, süßesten und kühlsten
Quellwasser, das ich je gekostet hatte. Am Ende unserer
Bergbesteigung vertilgten wir unser Dinner, hopsten halbtot
und glücklich unter die Dusche und jetzt geht's in die Heia.
26.08. 1999
- Heute früh war der Fjord so schön klar und ruhig, dass
wir sofort beschlossen, den Vormittag dort unten zu verbringen.
Gerade dachte ich so bei mir, eigentlich könnte jetzt ja
mal ein Wal vorbeikommen und schon zischet es irgendwo und
es tauchte erst ein Wal und dann noch einer
aus
den Fluten auf. Es handelte sich um Hnisa (Schweinswale,
glaube ich) und die Zwei dümpelten eine runde Viertelstunde
am Strand entlang, bis wir sie im Norden aus den Augen verloren.
Da auch heute wieder die Sonne so schön schien, verbrachten
wir noch einige Zeit bei den Pferden auf der Koppel am Fjord.
Unser Mittagessen
misslang heut so richtig. Ich hatte einen schleimigen Paps
aus Pilzen zusammengerührt, die Anett netterweise gesammelt
hatte und entsorgte das Gebräu, ohne zu kosten, am selben
Ort, wo Anett die Pilze gefunden hatte. Statt Pilzen gab
es dann Kartoffelchips. Auch nicht übel. Um den Nachmittag
etwas auszugestalten, fingen wir uns zum vorletzten Mal
unsere zwei Lieblinge Prins und Svala ein und ritten hinauf
zum Plateau. Dort begegnete uns eine Herde von Jungpferden,
die dort oben bis zum "Einreitalter" wild leben. Ein paar
richtig hübsche Jungs waren dabei. Da hätten wir beide wohl
selbst sehr gern Hand angelegt. Kurz vor dem Abstieg ins
Thorvalds-Tal wurden uns die Bodenverhältnisse etwas zu
sumpfig und so drehten wir um und ritten heim. Wir nahmen
unser Abendbrot (Bratkartoffeln) zu den lieblichen Klängen
von Jonas' Grasschneidetrecker und Armanns Heuwender ein
und schlummerten dann dem letzten Tag entgegen.
27.08. 1999
- Letzter Tag - Heute früh war es so neblig, dass ich Anett
auf der Nachbarmatratze kaum erkennen konnte, geschweige
denn, die Vorgänge außerhalb unserer Hütte. Punkt 08.30
Uhr hatte sich der Nebel aber in den Fjord verzogen, da
Südwind im Anmarsch war. Reitwetter also. Armann, Anett
und ich zuckelten los; ich auf Gledi, Draumur mit Armann
hinterher und Svala samt Anett mal hinten, mal vorn, mal
rundherum. Beim ersten Galopp gab es einen lauten Knall
und Svalas Bauchgurt war gerissen. Wir schmissen den alten
Sattel in le Eck und wanderten langsam nach Haus. Dort angekommen
dachten unsere Ackerzicken, das wär's gewesen, aber nix
da. Svala bekam einen neuen Sattel aufgeschnallt und mit
mir ihren gewohnten Reiter wieder und runter ging's zum
Fjord. Da Bremsen eh nutzlos war, bretterten wir von links
nach quer über Armanns Heuwiesen, bis Draumurs Knochen klapperten
(und Armanns wohl auch). Dann ging es noch etwas gemütlicher
hinüber nach Norden in Richtung Kalfskinn und wieder nach
Westen, bis nach 1 ½ Stunden selbst für Gledi und Svala
Sense war, zumindest rein körperlich gesehen. Ihr Rennwille
ist nicht so leicht totzukriegen.
14.00 Uhr marschierten
Anett und ich in voller Nordwindmontur (der Wind hatte gedreht)
zu Ulla-May hinunter, wobei mir auf halber Strecke einfiel,
dass ich den Mietwagenvoucher vergessen hatte. Ich schnallte
also Anett den kaputten Sattel auf, den ich vorher aus dem
Versteck im Gebüsch geklaubt hatte und stolperte zum Haus
zurück, während Anett schon nach unten lief. "Verrrry
funny" hat sich Armann bestimmt gedacht, als er mich
von seinem Heuwender aus beäugte, wie ich in dickem Woll-Rolli
und Allwetterjacke hechelnd über seine Heuwiesen rannte.
Als ich endlich unten bei Ulla-May ankam, war ich so geschafft,
dass ich nicht so unbedingt Lust verspürte, den Lada zu
fahren. Aber irgendwie musste Ulla-May nach Akureyri und
wir auch, da wir den Mietwagen abholen mussten, also half
kein Jammern. In Akureyri holten wir unseren "schicken"
Corolla ab und da wir nun zwei Autos zu fahren hatten, gönnte
ich meiner besten Freundin auch mal das unübertreffliche
Vergnügen, Armanns super Lada zu fahren. Die pure Freude
stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie eine halbe Stunde
später dem Vehikel wieder entstieg. Kaum angekommen an unserer
Hütte, stürzte ich mich zunächst in meine Regenklamotten
und dann in die Blaubeeren, denn ich wollte möglichst viele
dieser göttlichen Früchtchen mit nach Hause nehmen. Als
ich aufgrund des stärker werdenden Regens und der tropfnassen
Blaubeeren bereits zu rund 80% durchweicht war, erschien
auch Anett, die sich wohl gewundert hatte, wo ich blieb.
Zusammen schafften wir zwei Liter Blaubeeren, bevor ich,
nun völlig nass, aufgeben musste. Da wir leider nicht mehr
verleugnen konnten, dass zwei Wochen schon wieder rum waren,
begannen wir am späten Nachmittag, alles an- und ausziehbare
in unsere Taschen zu stopfen, systemlos, aber effektiv.
Das Abendbrot
spendierte uns Ulla-May, die während unseres Aufenthalts
in ihrem Haus ca. 45 Minuten lang mit einer Freundin aus
Schweden telefonierte, sodass sich die gesamte Aktion dort
geringfügig in die Länge zog. Armann, die Enkel Ragnar,
Bjarki und Jonas sowie Sohnemann Buis Stimme (er selbst
trat nicht in Erscheinung, bis ich ihn zufällig in der Küche
erwischte) gesellten sich ebenfalls zu uns. Nachdem ich
dann Ulla-Mays Berlin-Fotos beschriftet hatte (sie hatte
mich im April besucht), entließ man uns gnädigst. Eigentlich
hatten wir ja schon spätestens um 9 oder so im Bett sein
wollen. Es wurde dann "oder so". Die Abschiedszeremonie
dauerte natürlich wieder über Gebühr lange - da wurde gedrückt
und geschluchzt und geherzt, dass es einem das Herz brach...
Heute morgen
war es arschkalt (wenn ich das mal so sagen darf). Als wir
uns viertel nach fünf früh auf die Räder machten, bekam
ich die Augen fast nicht mehr von den Rückspiegeln los,
da hinter uns die Morgensonne so schön durch die Nebelbänke
hindurch lugte. Da wir so problemlos durchrollten und ich
irgendwie meine Augen nicht mehr so richtig offen halten
konnte, machten wir auf einer Hochebene Rast, wo ich dann
aber weder rastete, noch rostete, sondern vielmehr ausrastete,
indem ich im Schlusssprung um unseren quietschgrünen Corolla
herumhopste (mir war etwas kühl...). Die Wolken hingen vielleicht
10 m über uns - man hatte fast den Eindruck, man könnte
sie anfassen, wenn man sich auf das Autodach stellte.
Wir fuhren wieder
los, durchquerten später (für ISK1000.-) den neuen Tunnel
zur Halbinsel Reykjanes und kamen viertel vor 11 in Keflavik
am Flughafen an. Dort schlugen wir uns die Zeit um die Ohren,
bis endlich die Duty-Free-Shops öffneten und wir unser "überschüssiges"
Geld loswerden konnten. Der Flieger war pünktlich und leider
hielt uns so wieder nichts davon ab, die Trauminsel Island
zu verlassen. In Hamburg bot man mir, anstatt eines Corsas
einen dicken Benz an, weil die Corsas ausgebucht waren und
na ja, na Gott, na ja, man gönnt sich ja sonst nix, also
rauschten wir via Wriedel-Schatensen (Zwischenübernachtung
bei meiner Lieblingstante) am 28.08.1999 wieder in Berlin
ein.
©Antje
Seidel 2003
ISLAND-Kontaktadresse
für einen Farmurlaub
Ulla-May und
Armann von Sydri-Hagi
,
das sind gute, alte Freunde von mir, wohnen in Islands schönstem
Fjord, dem Eyjafjord im Norden der Insel, ca. 35 Minuten
nördlich von Akureyri! Gäste werden entweder in zwei
Gästezimmern im Haupthaus untergebracht oder beziehen
eins der zwei rustikalen Sommerhäuser (siehe Foto),
die an den Berghang mit wunderschönem Blick über
den Fjord gebaut wurden!