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back | home > reiseberichte >> island '95-'99 allgemein | reisebericht | kontaktadresse | links

Island 1995, 1996, 1997, 1999

Hier gibt's Allgemeines und Persönliches über meine Lieblingsinsel

Island ...

Mein Reisebericht 1999 steht hinter dem allgemeinen Teil.

Eine Liste interessanter Links zur Insel aus Feuer und Eis findet ihr hinter dem Reisebericht und ausführlich in den link.listen!

Fotos gibt's in der gallery!

 

ISLAND allgemein

beste Reisezeit

  • ganz grob von Mitte Juni bis Ende August
  • wer Ruhe, Mitternachtssonne, Lachs, Wale, wenig Touristen und viel ursprüngliches Island sucht, sollte am besten im Frühling (sprich Mitte-Ende Juni) fahren, da Anfang-Mitte Juli Scharen von Touristen die Insel überfallen (speziell die bekannteren Teile der Insel rund um Reykjavik und den Norden um Myvatn und Dettifoss), man muss allerdings mit Schneeschauern in den höheren Lagen rechnen, und richtig schön grün wird es erst ab Ende Juni
  • alternativ empfehle ich, Mitte-Ende August, da zu dieser Zeit (speziell im Norden) das Wetter recht beständig ist (man kann schon mal 10-14 Tage schönes Wetter erwischen, was im Juni fast unmöglich ist), die meisten Touristen sind bis Ende Juli wieder zu Hause...
  • und außerdem gibt's ab Ende August (um den 25. rum) die besten Blaubeeren der Welt (und zwar en masse, so dass man sich am besten mitten in die Büsche setzt und um sich herumfrisst...) - Nachteil dieser Reisezeit: die Heuwiesen sind abgemäht und überall liegen riesige, in weiße Folie gewickelte Ballen herum - tödlich für jedes schöne Landschaftsfoto, Mitternachtssonne gibt's auch nicht mehr (nur Mai, Juni, bis Mitte Juli), dafür kann man mit etwas Glück Ende August schon die ersten schwachen Nordlichter sehen!

 

ISLAND-Tips von mir

Mietwagen

  • unbedingt schon in Deutschland buchen! Ist zwar sauteuer, aber vor Ort ist's noch sauteurer... man kann für einen Tag (!) Nissan Micra und 500km locker €200.- und mehr ausgeben, wenn man sich zu spät entscheidet!
  • auch die Fly-and-Drive-Angebote sind nicht schlecht, aber lieber zu viel km einplanen, als zu wenig, da die km, die man zu viel fährt vor Ort natürlich auch sehr teuer sind...

Straßen gallery

  • Island ist so ziemlich der einzige Ort der Welt, an dem man sich nicht verfahren kann;
  • es gibt rund um die Insel eine Straße (die Ringstraße Nr. 1, meines Wissens jetzt endlich vollständig asphaltiert), von der aus Abzweige zu den einzelnen Dörfchen auf dem Lande ausgehen, jeder noch so kleine Bauernhof ist ausgeschildert;
  • bei Hochlandfahrten (Pisten öffnen selten vor Mitte Juni) unbedingt Allrad-Fahrzeug, da viele Flüsse durchquert werden müssen;
  • UND natürlich überall vorsichtig fahren (schneller als 80/90 geht's eh nicht), da hinter jeder Ecke Schafe auf der Straße stehen, um das Salz vom Asphalt zu lutschen...

Übernachten

  • da gibt es für mich kaum eine bessere Variante, die Isländer wirklich kennenzulernen, als ihre Gastfreundschaft am eigenen Leibe zu erfahren und das geht am besten, indem man sich auf einer der vielen Farmen als Gast einmietet
  • die erste Adresse für Farmsuchende ist www.farmholidays.is, wo neben unzähligen weiteren Bauernhöfen auch Sydri-Hagi gelistet ist; eine Broschüre wird auf Wunsch zugeschickt, jedoch kann man alle Informationen auch bequem online abfragen
  • ansonsten kann man natürlich auch einen Camper mieten, was ich ebenfalls für sehr empfehlenswert halte, speziell für Leute, die in kurzer Zeit viel sehen möchten
  • Hotels sind in Island sehr teuer und man sollte generell jede Form von Unterkunft, ob Hotel, Guest House oder Bauernhof ausreichend im voraus buchen

ISLAND-Reisebericht 1999

17.08. - 28.08. 1999

17.08. 1999 - Eyjafjord spät am Abend - Heute früh 02.00 Uhr aufgestanden. Mit Sixtcorsa zu Anett, 03.00 Uhr Abfahrt. 06.15 Uhr Ankunft Hamburg Flughafen. 08.40 Uhr Abflug und weische Brödsche. Zwischenstop Kopenhagen. Dann "lecker" Hammelfleisch mit viereckigem Kartoffelpaps und Schnurpsbrokkoli. 11.40 Uhr Ankunft Keflavik. Sonnenschein!!! Eine Premiere. Zum ersten Mal scheint bei meiner Ankunft in Island die Sonne! Shuttle Bus nach Reykjavik zum Domestic Airport. Tickets gekauft. Abflug 13.20 Uhr nach Akureyri. Dort empfing uns Armann in feinstem Sonntags-Jeans-Anzug. Sydri-Hagi erwartete uns mit Kaffi, Te und Tekex (Kaffee, Tee und Keksen), Ulla-May schloss uns in die Arme und wieder bezogen wir unser Götusel, das kleinere der zwei Holzhäuser am Hang des Katla, als wären wir nur für ein Wochenende weggewesen.

Die erste Amtshandlung bestand aus einem Blaubeersuchspaziergang. Statt Blaubeeren fanden wir jedoch leider nur "Grünbeeren", aber dafür in so vielversprechenden Mengen, dass wie die paar Tage, die bis zur Reife noch fehlten, gern in Kauf nahmen. 20.00 Uhr erschienen wir zum Dinner, das vollkommen entgegen der isländischen Tradition pünktlich serviert wurde. Es gab gebratene Dorschfilets (natürlich frisch aus dem Fjord). Danach den obligatorischen Sonnenuntergang, jetzt Terrasse, gleich Bett. Goda Nott!

20.08. 1999 - Am Mittwoch düsten wir nach dem Frühstück (Pancakes) nach Akureyri - natürlich per Daumen hoch, was dank des etwas erhöhten Verkehrsaufkommens am Fjord auch ziemlich schnell klappte. In Akureyri plünderten wir die Supermärkte von Netto bis Hagkaup und nahmen dann Lebensmittel im Wert von rund DM200.- mit heim, von denen jetzt schon wieder die Hälfte alle ist. Irgendwie macht isländische Luft ganz schönen Hunger... Erstaunlicher Weise schafften wir es sogar, schon in diesem frühen Stadium unseres Urlaubs Postkarten zu kaufen und diese teilweise noch am selben Tag zu schreiben! Nach dem Mittagessen in unserer Hütte zog es uns unwiderstehlich hinunter zum Fjord, wo Svala und Prins fett und aufmüpfig darauf warteten, mit uns über die federnden, isländischen Grasflächen zu tölten. Wir genossen die Geschwindigkeit, den schneidenden Nordwind und den Ausblick über den Eyjafjord, der aller paar Minuten seine Farbe änderte und beendeten unseren lange herbeigesehnten Ritt auf unsern zwei Prachtstücken nach einer runden Stunde. Da wir uns noch nicht so richtig vom Fjord trennen konnten, wanderten wir danach noch hinunter ans Wasser, kletterten über die Felsen und sammelten Muscheln, Steine und Seeigel, die wir nachher säuberlich auf dem Fensterbrett unseres Götusel aufreihten. Unser Dinner bestand aus Pellkartoffeln mit Butter und Salz, einfach aber lecker.

Am Donnerstag hatten wir uns vorgenommen, Katla zu erklimmen. Der Berg stand schließlich unberührt und bisher von uns unbezwungen so zum Greifen nah hinter unserer Hütte, dass wir diesmal keine Ausrede mehr hatten, den Aufstieg nicht zu versuchen. Außerdem war das hier unser dritter (mein vierter) Aufenthalt in Islands schönstem Fjord, da wurde es auch langsam Zeit. Meinte auch Armann. Dummerweise begegneten uns schon auf halber Strecke so viele wunderbar reife, süße, große, saftige Blaubeeren, dass wir nicht so richtig voran kamen. Nachdem wir uns auf dem letzten Drittel auch noch ein Mittagsschläfchen gegönnt hatten (inmitten von weichem Gras, duftenden Blumen und Schafsboppeln...), verließen uns Kraft und Wille, sodass wir beschlossen, umzukehren. Auch auf dem Rückweg fanden wir Blaubeeren im Überfluss, die wir, aufgrund unserer bereits überfüllten Mägen, zwecks Transport in unsere Wasserflaschen stopften. Nach insgesamt rund 6 ½ Stunden Marsch trafen wir wieder "atome" (das ist ein Insider-Spruch... aktü!) ein, wo wir uns mit Chili-con-Carne und Blaubeernachtisch wieder aufbauten. Am Abend statteten wir Armann noch einen kleinen Besuch ab, um für morgen Pläne zu schmieden. Wir wollten Fischen gehen und hatten noch keine Zeit vereinbart. 07.00 Uhr schlug Armann vor. Ich konnte ihn Gott sei dank auf 08.00 Uhr umstimmen.

Heute früh standen wir also 07.00 Uhr auf - nach nicht allzu viel Schlaf, da der Sonnenuntergang gestern Abend irgendwie ziemlich lange gedauert hatte. Wir frühstückten in Windeseile und standen pünktlich bei Armann auf der Matte. Dort (genauer gesagt im Garten) verluden wir Armanns Kahn auf einen Hänger, knüpperten das Vehikel an seinen Trecker und ackerten hinunter zum Strand. Gegen halb neun war das Boot "gewässert" und wir tuckerten hinaus in den Fjord. Wie schon vor drei Jahren bei meinem ersten Angelversuch machte Armann die Leinen klar: jeder von uns bekam eine Art hölzerne Spule in die Hand, die mit allerlei Sehne bewickelt war, an deren Ende sich ein Gewicht und drei Haken befanden. Köder waren nicht nötig, dazu sind Dorsche einfach zu blöd, habe ich den Eindruck. Ich freute mich also wieder wie ein Schneekönig auf ungebremstes Angelvergnügen und Fischmengen so groß, dass das Boot kentert, aber nichts da, es regte sich gar nix unter Wasser. Nach dem wir nach einer halben Stunde noch nicht einmal Wasserflöhe am Haken hatten, beschloss unser Kapitän, den Standort zu wechseln. Er schipperte uns mal hierhin, mal dorthin, sodass ich schon befürchtete, uns würde der Sprit ausgehen, bevor wir auch nur einen einzigen Fisch gefangen hätten. Aber plötzlich gab es einen gewaltigen Ruck an unseren Leinen, Anett und ich kurbelten wie die Weltmeister unsere Leinen an Board und dann kam Armann kaum noch mit dem Schlachten hinterher, so wild bissen die Dorsche in unsere geschmacklosen Haken. Anett fing den allergrößten, ein stattliches Tier, den wir uns gleich fürs Abendbrot (und den Grill) vormerkten. Am Ende hatten wir runde 60 kg Fisch gefangen. Kein schlechter Fang für weniger als drei Stunden! An Land ging dann das große Blutbad los. Jonas und Armann schlitzten wie am Fließband einen Dorsch nach dem anderen auf, nahmen sie aus, köpften sie und sortierten sie nach Menschen- und Katzenfuttergröße, ohne darauf zu achten, wen sie gerade mit Fischblut oder Fischdung, den die Tiere beim Töten aus Rache überall hinverteilt hatten, bespritzten. Obwohl der Anblick nicht gerade appetitanregend war, hatten wir danach alle einen Mordshunger. War ja auch logisch, nach der Anstrengung (gut das wir nicht auch noch rudern mussten - das hat unsgallery Armanns unermüdlicher Tuckermotor abgenommen). Wir ließen uns ein mittleres Paket "au mi Gabi, au mi schaaf, sum mitnehme" eintüten und wanderten heim. Da unser Hunger mittlerweile sehr deutlich daran erinnerte, dass wir seit heute früh zwar Nahrung beschafft, aber noch nicht vertilgt hatten, ließen wir den Fisch Fisch sein und vertilgten in aller Eile Reste von gestern und einen Kaiserschmarrn, weil das so schön schnell zuzubereiten war. Jetzt schlummert Anett draußen auf der Wiese in der Sonne einen ausgiebigen Mittagsschlaf und ich wasche unseren Riesengeschirrberg ab.

Nach dem Schläfchen gab's Tee und wir verbrachten noch ein paar Stündchen unten am Wasser. Gegen 21.15 Uhr fingen wir die Pferde ein. gallerySvala, Prins, Glod und Draumur sollten morgen eine Art "Generalprobe" für den Schafabtrieb mitmachen, weshalb wir sie heute Abend schon ins Thorvaldsdal reiten sollten. Armann fuhr mit seinem alten Lada vorneweg, Jonas, Hilke und wir zwei ritten hinterher und trafen uns alle Mann am Round-up-Pen wieder. Unsere Vierbeiner waren etwas enttäuscht, statt auf eine saftige Wiese hier in diesen mickrigen Corral eingesperrt zu werden, fügten sich dann aber ergeben. Armann fuhr uns nach Hause und natürlich - wie sollte es auch anders sein - sahen wir uns noch den Sonneuntergang an. Dementsprechend spät gelang dann auch unsere "Bett-Session".

22.08. 1999 - Am Morgen kurz nach zehn wurden wir, die wir schon Gewehr bei Fuß und Satteltasche bei Hacken bereit standen, vom Armännle abgeholt und zu unseren ungeduldig trampelnden Töltern gefahren. Berglind (Armanns Enkelin) und ihr knackiger Freund warteten dort schon samt ihren zwei wonneproppigen Ponies. Sättel rauf und los ging's im Schweinetöltpassgalopptrab oder was so gerade passte. Sliding-Stop und kurze Pause an einer Wegbiegung. Nach ca. 1 ¾ Stunde waren wir schon am See - das war ganz beachtlich, denn sonst brauchen wir rund drei Stunden bis dahin (allerdings von Sydri-Hagi, nicht vom Round-up-Pen am Eingang des Tals). Wir machten eine Picknick-Pause und folgten dem Ufer des Sees weiter hinein ins Thorvalds-Tal. Zweimal überquerten wir den Fluss und sogar Schnee lag hier oben noch! Nach einem weiteren längeren Stop in der Nähe der Stelle, wo sonst beim richtigen Schafabtrieb die Pferde an ein paar Leute übergeben werden und man zu Fuß weitersteigt, drehten wir wieder um und rannten nach Hause. Svala töltete über Stock und Stein, schien sich nur zu wundern, warum wir unterwegs nicht ein einziges Schaf mitgenommen hatten. Wir ritten über das Plateau und kamen glücklich und erschöpft wieder zu Hause an. Prins hatte einen Schuh verloren, aber sonst war die Aktion zu aller Zufriedenheit verlaufen. Berglind hatte ihre zwei Schüler testen können, die bei der Gelegenheit sicher gleich etwas Übergewicht verloren hatten und Anett und ich hatten wieder einmal die Gelegenheit bekommen, in das wunderschöne Thorvalds-Tal zu reiten. Nach dem Absatteln gab's in Ulla-Mays Küche Te und Tekex sowie diverse Köstlichkeiten, die unsere Lebensgeister wiedererweckten, sodass wir ein weiteres Mal hinunter zum Wasser liefen und Seeigel sammelten. Da meine Füße etwas kochten, planschte ich bis zu den Knöcheln im ca. 6° warmen Wasser, wodurch ich mich gleich wieder fühlte, wie neu geboren.

Für den Abend hatten wir uns vorgenommen, den Fisch zu grillen. Ich stapelte also voller Elan Holz auf den Grill, schüttete Briketts darüber - und dann wurde es so windig, dass ich kein Streichholz zum Brennen brachte. Mit Hilfe meines Sturmfeuerzeugs und ca. 50 Liter von Anetts Atemluft bekamen wir das Ganze dann doch noch zum Glühen und schmissen das erste gesalzene und gepfefferte Vieh auf den Rost. Der Fisch zerfiel sofort in tausend Stückchen, sodass ich ihn noch nicht einmal umgedreht bekam, ohne dass die Hälfte davon aufs Feuer fiel. Anetts großer Fisch sollte uns dafür entschädigen, doch war dieser leider viel zu groß für den kleinen Grill und hing mit Kopf und Schwanzflosse in der Luft. Wir opferten ein Backblech und betteten den Dorsch um, in der Hoffnung, ihn so im Ganzen braten zu können. Statt dessen tropfte uns rechts und links das Öl vom Blech auf die Terrasse und ins Feuer, Anett ging fast an einer Rauchvergiftung zu Grunde und mir löste sich bereits vor Hunger die Magenwand auf. Am Ende vertilgten wir schon ganz geschwächt und verzweifelt einen Teller Skyr mit Blaubeeren, da wir bis 23.00 Uhr vergeblich versucht hatten, von dem Fischfleisch satt zu werden, das wir außen vom Fischgerippe abgekratzt hatten, um den darunter liegenden Schichten die Möglichkeit zu geben, ebenfalls essbar zu werden. Vielleicht hätten wir den Dorsch lieber zu Sushi verarbeiten sollen... Ein durchweg gelungener Grillabend also.

Heute früh zauberte ich ein paar Blueberry-Chocolate-Muffins. Der Duft schwebte durch die ganze Hütte (Gott sei Dank ohne den Feueralarm auszulösen, der sonst immer sofort losgeht, wenn man nur den Toaster anmacht...) und wir "brunchten" bis 11. Danach waren wir so voll, dass wir bis zwei auf der "Terese" ausharrten und uns sonnten. Nur die Aussicht auf einen netten Ausritt brachte uns dazu, am Nachmittag unsere Stellung aufzugeben und hinunter zum Haus zu laufen. Auf dem Weg nach unten erspähten wir weiter oben am Plateau ein paar Schafe, die dort nicht hingehörten. Armann bekam wieder sein berühmtes "diese-Mistviecher-fressen-meine-Bäumchen"-Gesicht und brach mit uns zu Pferd auf, um den Schafen eine Lektion zu erteilen. Polli, der Hütehund, war auch dabei und rannte wie besessen um uns herum, nach dem Motto "darf ich scheuchen, darf ich scheuchen, darf ich scheeeuuuuuchennnn????!". Armann ließ ihm seinen Willen, ich hatte nur die ehrenvolle Aufgabe, vor den Schafen das Tor zum Plateau zu öffnen, während Anett mit dem etwas langsamen Chaplin die Gelegenheit nutzte, sich unbeobachtet in die Blaubeeren zu schlagen. Nachdem alle Schafe wieder da waren, wo sie hingehörten, beendeten wir auch unseren Ritt. Wir gönnten Gledi und Svala eine Mähnenentfitzungskur und beschlugen Chaplin und Prins, machten uns dann aber wieder gen Heimat. galleryIch stattete am Abend Armann noch einen Kurzbesuch ab, um ihn zu fragen, ob er mir mal sein Auto borgen könnte ("no problem" sagte er). Als ich wieder am Götusel ankam, stiegen mir schon fantastische Gerüche in die Nase - Anett hatte einen Nudelauflauf gezaubert, den wir dann samt Topf und Deckel verspeisten. Da wir uns schon wieder so vollgefressen hatten und es auch nicht den Eindruck machte, dass unsere Nahrungsmengen in nächster Zeit reduziert würden, unternahmen Anett und ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang entlang des Baches bis hoch zum kleinen Wasserfall.

23.08. 1999 - Nachdem ich vor Armanns Haus etwa 10 Minuten gebraucht hatte, um den Lada an und vorwärts zu bekommen und dann im Kavalierstart die Auffahrt hinaufgeschrubbt war, brachen Anett und ich zu unserer kleinen Sightseeing-Tour auf. Eigentlich wollte ich Anett die schöne lange Küste östlich von Tjörnes zeigen und dort vielleicht ein bisschen am Strand entlang wandern. Leider machte uns die kaputte (nicht abstellbare) Heizung des Ladas und der starke Seitenwind so zu schaffen, dass wir, an der Halbinsel angekommen, gerade 15 Minuten lang den Ausblick genossen und dann, mit der Aussicht auf ein bequemes Sofa und eine Handvoll Blaubeeren, wieder nach Hause rumpelten. Das bequeme Sofa durfte Anett zu ihrem Leidwesen nicht voll auskosten, denn ich wollte noch Blaubeeren pflücken. Ich erteilte Order, nur schöne große Beeren zu pflücken und beschränkte mich selbst auf die "Schwarzbeerenauslese", Blaubeeren, die nicht blau, sondern schwarz, überdurchschnittlich groß, sehr gallerysüß und ungeheuer lecker sind. Abends 19.00 Uhr war Treffpunkt bei Ulla-May, wir waren zum Apfelfischauflaufessen eingeladen. Jonas bekam eine Extrawurst, denn er isst ja keinen Fisch. Zum Nachtisch gab's Eis. Da sich der Fotoapparat unpraktischer Weise in unserem Hüttchen befand und der Sonnenuntergang schön zu werden versprach, hatten wir einen Grund, nicht allzu lange zu bleiben, sondern machten uns wider bergan. Wir knipsten Wolken und die hinter den Bergen verschwindende Sonne und hockten dann noch ein Weilchen auf der Terrasse. Es war angenehm warm und ich wagte es, laut auszusprechen, dass das Wetter es dieses Mal wirklich gut mit uns meinte. Wir hatten noch nicht einen verregneten Tag gehabt und das ist für isländische Verhältnisse schon fast so etwas, wie ein Wunder.

24.08. 1999 - Nach dem Frühstück hockten wir erst einmal bis 10 in der Sonne. Der Wettergott musste wohl meine Lobpreisung vom Abend zuvor gehört haben und tat uns nun den Gefallen, die Luft so zu erwärmen, dass wir mittags sogar im T-Shirt ausreiten konnten. Anett nahm Gledi, die sie noch nicht ausprobiert hatte und ich ritt wieder Svala, mein unkaputtbares Energiebündel. Nach dem Ritt unternahmen wir noch einem weiteren Spaziergang entlang des steinigen Strandes (im Ärmellosen, mit hochgekrempelten Hosenbeinen! Für Isländer ist das Wetter schon fast wieder zu warm...). Polli jagte um uns herum, die Nervevögel quietschten und wir aalten uns in der Sonne, wie man sich auf Mallorca auch nicht schöner aalen kann. Irgendwann meldete sich aber wieder mein Magen und wir rührten uns oben Skyr mit Blaubeeren zusammen. Als Anett sich dann ihrem Buch widmete, hatte ich plötzlich Hummeln im Arsch, konnte nicht mehr stillsitzen, obwohl Macbeth sonst meine gesamte Konzentration zu beanspruchen pflegte. Also begann ich mit Abwaschen und ging dann stufenlos in die Zubereitung des Abendbrots über, das da bestand aus Dorschfilets an Käse-Sahne-Provence-Kräuter-Sauce über ungepellten Pellkartoffeln. Seltsamer Weise mundete dieser Kochversuch meinerseits sogar. Obwohl ich ja gar nicht kochen kann.

25.08. 1999 - Heute gab's mal wieder Cornflakes (Kornflögur) mit Sauermilch (lecker Súrmjölk) und Blaubeeren, diesmal ohne Feueralarm, dafür mit Musik von FM95.7 (etwa wie: effenijöfimmschiö...), was auch nicht viel besser klang, als der Feueralarm. Gegen 10.00 Uhr wollten wir dann unten Draumur und Gledi fangen, statt dessen scheuchten wir zunächst Glod aus Armanns Beet, die gerade dabei war, neue Kartoffeln fürs zweite Frühstück zu ernten. "Verrrry funny" sagte Armann, als wir ihm mit hängender Zunge von unserer Kartoffelrettungsaktion berichteten. Wir brachten noch einen rund 60-minütigen Wiesenritt zustande, bevor es uns unwiderstehlich wieder hinauf auf unsere Terrasse zog, wo wir jetzt immer noch sitzen...

Abends - Wir haben es geschafft! Katla ist bezwungen! 16.00 - 20.35 Uhr vom Boden des Thorvalds-Tales hinauf auf 964 m und zurück. War das ein Akt! Da es so etwas wie offizielle, touristenfreundliche Wanderwege hier natürlich nicht gibt, nahm Armann, unser rüstiger Bergführer, den kürzesten (und natürlich steilsten Weg) gerade den Hang hinauf. Lunge, Schweinehund und Muskelfasern keuchten, knurrten und quietschten bereits nach hundert Höhenmetern, jedoch Armann war unerbittlich und wir konnten uns eine zweite Kapitulation vor diesem Berg nicht erlauben. Also kletterten wir stur den steilen Abhang hinauf über Geröll, dürres Kräutergras und felsige Flächen, bis wir endlich den flachen Gipfel erreichten. Der Katla hat, wie die meisten Berge in der Umgebung eine Art Plateau statt einer Spitze, riesengroß und kahlgefegt - nur ein paar kleine Blümchen überleben hier oben. Auch hier lag wieder Schnee. Am höchsten Punkt lag ein Steinhaufen, wo wir, um die Berggottheit nicht zu erzürnen, pflichtgemäß ein paar Steinchen hinzulegten. Der Ausblick ins Thorvalds-Tal und über den Eyjafjord war natürlich einfach traumhaft. Am liebsten wäre ich von hier oben einfach heruntergeflogen. Armann blies zum Rückzug und wir rutschten auf den Schuhsohlen wie auf Skiern ein langes Schneefeld hinab. Am Ende des Schneefeldes entsprang ein kleiner Bach mit dem wohl saubersten, süßesten und kühlsten Quellwasser, das ich je gekostet hatte. Am Ende unserer Bergbesteigung vertilgten wir unser Dinner, hopsten halbtot und glücklich unter die Dusche und jetzt geht's in die Heia.

26.08. 1999 - Heute früh war der Fjord so schön klar und ruhig, dass wir sofort beschlossen, den Vormittag dort unten zu verbringen. Gerade dachte ich so bei mir, eigentlich könnte jetzt ja mal ein Wal vorbeikommen und schon zischet es irgendwo und es tauchte erst ein Wal und dann noch einer galleryaus den Fluten auf. Es handelte sich um Hnisa (Schweinswale, glaube ich) und die Zwei dümpelten eine runde Viertelstunde am Strand entlang, bis wir sie im Norden aus den Augen verloren. Da auch heute wieder die Sonne so schön schien, verbrachten wir noch einige Zeit bei den Pferden auf der Koppel am Fjord.

Unser Mittagessen misslang heut so richtig. Ich hatte einen schleimigen Paps aus Pilzen zusammengerührt, die Anett netterweise gesammelt hatte und entsorgte das Gebräu, ohne zu kosten, am selben Ort, wo Anett die Pilze gefunden hatte. Statt Pilzen gab es dann Kartoffelchips. Auch nicht übel. Um den Nachmittag etwas auszugestalten, fingen wir uns zum vorletzten Mal unsere zwei Lieblinge Prins und Svala ein und ritten hinauf zum Plateau. Dort begegnete uns eine Herde von Jungpferden, die dort oben bis zum "Einreitalter" wild leben. Ein paar richtig hübsche Jungs waren dabei. Da hätten wir beide wohl selbst sehr gern Hand angelegt. Kurz vor dem Abstieg ins Thorvalds-Tal wurden uns die Bodenverhältnisse etwas zu sumpfig und so drehten wir um und ritten heim. Wir nahmen unser Abendbrot (Bratkartoffeln) zu den lieblichen Klängen von Jonas' Grasschneidetrecker und Armanns Heuwender ein und schlummerten dann dem letzten Tag entgegen.

27.08. 1999 - Letzter Tag - Heute früh war es so neblig, dass ich Anett auf der Nachbarmatratze kaum erkennen konnte, geschweige denn, die Vorgänge außerhalb unserer Hütte. Punkt 08.30 Uhr hatte sich der Nebel aber in den Fjord verzogen, da Südwind im Anmarsch war. Reitwetter also. Armann, Anett und ich zuckelten los; ich auf Gledi, Draumur mit Armann hinterher und Svala samt Anett mal hinten, mal vorn, mal rundherum. Beim ersten Galopp gab es einen lauten Knall und Svalas Bauchgurt war gerissen. Wir schmissen den alten Sattel in le Eck und wanderten langsam nach Haus. Dort angekommen dachten unsere Ackerzicken, das wär's gewesen, aber nix da. Svala bekam einen neuen Sattel aufgeschnallt und mit mir ihren gewohnten Reiter wieder und runter ging's zum Fjord. Da Bremsen eh nutzlos war, bretterten wir von links nach quer über Armanns Heuwiesen, bis Draumurs Knochen klapperten (und Armanns wohl auch). Dann ging es noch etwas gemütlicher hinüber nach Norden in Richtung Kalfskinn und wieder nach Westen, bis nach 1 ½ Stunden selbst für Gledi und Svala Sense war, zumindest rein körperlich gesehen. Ihr Rennwille ist nicht so leicht totzukriegen.

14.00 Uhr marschierten Anett und ich in voller Nordwindmontur (der Wind hatte gedreht) zu Ulla-May hinunter, wobei mir auf halber Strecke einfiel, dass ich den Mietwagenvoucher vergessen hatte. Ich schnallte also Anett den kaputten Sattel auf, den ich vorher aus dem Versteck im Gebüsch geklaubt hatte und stolperte zum Haus zurück, während Anett schon nach unten lief. "Verrrry funny" hat sich Armann bestimmt gedacht, als er mich von seinem Heuwender aus beäugte, wie ich in dickem Woll-Rolli und Allwetterjacke hechelnd über seine Heuwiesen rannte. Als ich endlich unten bei Ulla-May ankam, war ich so geschafft, dass ich nicht so unbedingt Lust verspürte, den Lada zu fahren. Aber irgendwie musste Ulla-May nach Akureyri und wir auch, da wir den Mietwagen abholen mussten, also half kein Jammern. In Akureyri holten wir unseren "schicken" Corolla ab und da wir nun zwei Autos zu fahren hatten, gönnte ich meiner besten Freundin auch mal das unübertreffliche Vergnügen, Armanns super Lada zu fahren. Die pure Freude stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie eine halbe Stunde später dem Vehikel wieder entstieg. Kaum angekommen an unserer Hütte, stürzte ich mich zunächst in meine Regenklamotten und dann in die Blaubeeren, denn ich wollte möglichst viele dieser göttlichen Früchtchen mit nach Hause nehmen. Als ich aufgrund des stärker werdenden Regens und der tropfnassen Blaubeeren bereits zu rund 80% durchweicht war, erschien auch Anett, die sich wohl gewundert hatte, wo ich blieb. Zusammen schafften wir zwei Liter Blaubeeren, bevor ich, nun völlig nass, aufgeben musste. Da wir leider nicht mehr verleugnen konnten, dass zwei Wochen schon wieder rum waren, begannen wir am späten Nachmittag, alles an- und ausziehbare in unsere Taschen zu stopfen, systemlos, aber effektiv.

Das Abendbrot spendierte uns Ulla-May, die während unseres Aufenthalts in ihrem Haus ca. 45 Minuten lang mit einer Freundin aus Schweden telefonierte, sodass sich die gesamte Aktion dort geringfügig in die Länge zog. Armann, die Enkel Ragnar, Bjarki und Jonas sowie Sohnemann Buis Stimme (er selbst trat nicht in Erscheinung, bis ich ihn zufällig in der Küche erwischte) gesellten sich ebenfalls zu uns. Nachdem ich dann Ulla-Mays Berlin-Fotos beschriftet hatte (sie hatte mich im April besucht), entließ man uns gnädigst. Eigentlich hatten wir ja schon spätestens um 9 oder so im Bett sein wollen. Es wurde dann "oder so". Die Abschiedszeremonie dauerte natürlich wieder über Gebühr lange - da wurde gedrückt und geschluchzt und geherzt, dass es einem das Herz brach...

Heute morgen war es arschkalt (wenn ich das mal so sagen darf). Als wir uns viertel nach fünf früh auf die Räder machten, bekam ich die Augen fast nicht mehr von den Rückspiegeln los, da hinter uns die Morgensonne so schön durch die Nebelbänke hindurch lugte. Da wir so problemlos durchrollten und ich irgendwie meine Augen nicht mehr so richtig offen halten konnte, machten wir auf einer Hochebene Rast, wo ich dann aber weder rastete, noch rostete, sondern vielmehr ausrastete, indem ich im Schlusssprung um unseren quietschgrünen Corolla herumhopste (mir war etwas kühl...). Die Wolken hingen vielleicht 10 m über uns - man hatte fast den Eindruck, man könnte sie anfassen, wenn man sich auf das Autodach stellte.

Wir fuhren wieder los, durchquerten später (für ISK1000.-) den neuen Tunnel zur Halbinsel Reykjanes und kamen viertel vor 11 in Keflavik am Flughafen an. Dort schlugen wir uns die Zeit um die Ohren, bis endlich die Duty-Free-Shops öffneten und wir unser "überschüssiges" Geld loswerden konnten. Der Flieger war pünktlich und leider hielt uns so wieder nichts davon ab, die Trauminsel Island zu verlassen. In Hamburg bot man mir, anstatt eines Corsas einen dicken Benz an, weil die Corsas ausgebucht waren und na ja, na Gott, na ja, man gönnt sich ja sonst nix, also rauschten wir via Wriedel-Schatensen (Zwischenübernachtung bei meiner Lieblingstante) am 28.08.1999 wieder in Berlin ein.

©Antje Seidel 2003

 

ISLAND-Kontaktadresse für einen Farmurlaub

Ulla-May und Armann von Sydri-Hagi , das sind gute, alte Freunde von mir, wohnen in Islands schönstem Fjord, dem Eyjafjord im Norden der Insel, ca. 35 Minuten nördlich von Akureyri! Gäste werden entweder in zwei Gästezimmern im Haupthaus untergebracht oder beziehen eins der zwei rustikalen Sommerhäuser (siehe Foto), die an den Berghang mit wunderschönem Blick über den Fjord gebaut wurden!

Ulla-May & Armann Rögnvaldsson
Sydri-Hagi, Árskogsströnd
621 Dalvik, Ísland

Tel. 00354-4661961 oder 00354-4661903 e-mail sydrihagi@hotmail.com

 

 

ISLAND-Links

Ziele auf der Insel eyjafjordur

www.eyjafjordur.is -

Site mit diversen Infos über Farm-Stays (in diesem Fjord liegt auch die Farm Sydri-Hagi), Whale-Watching, Gästehäuser, Angeln etc. im schönsten Fjord von ganz Island... außerdem gibt's im Eyjafjordur das mit Abstand beste Wetter der gesamten Insel!

Im September (ca. 15.September) findet hier jedes Jahr in mehreren Hochtälern gleichzeitig der traditionelle Schafabtrieb statt - unbedingt sehenswert! Wer Lust und viiiiel Kondition hat (und sehr gut reiten kann), sollte auf einer der Farmen (z.B. Sydri-Hagi) anfragen, ob Hilfe gebraucht wird - preiswerter und abenteuerlicher kann man auf Island kaum Urlaub machen!

www.northern.is - noch mehr über Nord-Island

 

Auf in den Hohen Norden...

reisebüro ehlertDie passenden Flüge und alles rund ums Reisen gibt's im Reisebüro Ehlert , meinem früheren Arbeitgeber in Berlin-Schöneberg (online unter www.ehlert.de)!

 

Weiterführende Links samt Informationen stehen in den link.listen unter island!

Fragen? Ich antworte! antjes@myfootprints.de

Fotos: gibt's in der gallery

 

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